Vergoldungen


5. Vergoldertechniken


Oelvergoldung

  • Untergrund
    Die Ölvergoldung kann auf Putz, Holz, Stein, Keramik, Glas, Acryl, Leder, Papier usw. angebracht werden. Wichtig ist die richtige Untergrundbehandlung des zu vergoldenen Objekts. Dies bedingt einen saugfreien Grund, der mit Ölfarben, Kunstharzfarben oder auch mit Acrylfarben erreicht wird.

  • Die Mixtionanlage
    Das Mixtion wird mit etwas hellem Ocker gemischt und unverdünnt auf die zu bearbeitende Fläche mit einem Borstenpinsel in möglichst dünner Schicht auf den vorbereiteten Untergrund aufgetragen. Je höher und glatter sein Glanz, desto höher auch der Goldglanz. Chromgelb und Bleifarben sollten nicht als Zusatz zum Mixtion genommen werden, da ein fleckigwerden des Blattgoldes eintreten könnte.

    Der Mixtionanstrich muss so lange stehen bis er fast trocken ist. Beim darüberstreichen mit dem Finger sollte ein leichtes knirschen (Pfeifton) hörbar sein. Immer nur soviel Mixtion auftragen wie man verarbeiten kann.

  • Das Goldanschiessen
    Ist der richtige Zeitpunkt zur Vergoldung da, legt man das Blattgold an. Mit dem Anschiesser, den man vorher über das Haar oder die Wange (Aufnahme von Fett) streicht, wird das Blattgold aus dem Büchlein genommen und ganz vorsichtig auf das Objekt angeschossen. Je nach bedarf wird auf dem Vergolderkissen das Blattgold mit dem Vergoldermesser zurechtgeschnitten und danach aufgetragen.

    Beim Transfergold wird das auf dem Seidenpapier aufgeklebte Blattgold auf die Fläche gelegt und danach wird das Seidenpapier abgezogen. Transfergold kann mit der Schere zurechtgeschnitten werden.

    Netzartig wird das Blattgold aufgetragen und danach muss die vergoldete Fläche mit dem Vergolderpinsel abgekehrt werden, das heisst das überschüssige Gold entfernen. Die Goldteile möglichst einfangen (Blechdose etc.) damit nichts verlorengeht.

    Die Vergoldung sollte möglichst einige Tage durchtrocknen, damit man mit Watte die Fläche polieren kann. Blattgold sollte nicht mit Lack überzogen werden da der metallische Charakter verlorengeht.

    Für Aussenvergoldungen nur 23 1/2 karätiges, 23 3/4 karätiges und 24 karätiges Gold verwenden. Eventuell sollte 2x vergoldet werden.

Polimentvergoldung

  • Untergründe
    Geeignet sind vor allem Untergründe die fest und frei von Fett oder Wachs sind. Zur Verwendung kann ausgetrocknetes Hartholz, Presspanplatten, Sperrholz, Stein oder Metall gebraucht werden. Der Gipsgrund ist der traditionellste Untergrund für die Polimentvergoldung.

  • Die Vorarbeiten
    Mit Hasenleim oder Knochenleim wird der Untergrund als "Leimtränke" verdünnt und heiss aufgetragen.Bei stark saugendem Untergrund muss diese Tränke mehrmals aufgetragen werden.

    Steinkreide eingeweicht in Leimwasser wird als Steingrund auf das Objekt aufgerieben.

    Auf diese Vorarbeit wird ein Kreidegrund in mehreren Schichten dünn aufgeschummert, bis eine genügend dicke Schicht vorhanden ist. Der letzte Kreideauftrag wird in den nassen Grund dick ausgrundiert. Danach wird der Kreidegrund nass oder trocken mit Bimsstein geschliffen bis eine glatte Fläche entsteht. Der Kreidegrund muss fest, gravier-, polierfähig und elastisch sein.

    Das weitere Vorgehen bestimmt der Polimentauftrag. Zuerst wird eine "Lösche", die aus Leim, Wasser und gelben Poliment besteht, auf den Kreidegrund aufgetragen und sorgt für einen optimalen Haftgrund für das Poliment.

    Die Farbe des Poliment beeinflust die Wirkung des Goldes. Für den Glanz des Goldes ist das rote Poliment (Bolus), das lasierend auf gelben aufgetragen wird, am vorteilhaftesten. Das Poliment, mit den Bindemittel Leim oder Eiweiss (Besserer Glanz) wird zusammen mit dem roten Bolus als dünnflüssiges Anstrichmittel 3-4mal aufgetragen. Anschliessend muss der Polimentauftrag mit einer Bürste gebürstet oder mit einem Tuch abgerieben werden. Die Oberfläche wirkt nun Seidenglänzend.

  • Das Vergolden
    Mit einem weichen Haarpinsel wird auf das Poliment das Netzmittel, bestehend aus einem Gemisch von Alkohol und destilliertem Wasser, aufgetragen. Es sind nur kleine Partien anzufeuchten, die man sofort Vergolden kann. Ansonsten besteht die Gefahr der Nichthaftung des Goldes.

    Das Blattgold wird einzeln aus den Büchlein genommen und bläst sie übereinender in den Hinteren Teil des Vergolderkissen. Mit dem Vergoldermesser wird das Blattgold auf dem Vergolderkissen auf die richtige Grösse zurechtgeschnitten. Mit dem Anschiesser wird nun das Blattgold "angeschossen" aneinandergereit.

    Mit dem Versäuberungspinsel wird nun das überschüssige Gold abgekehrt.

    Nach 2-3 Stunden muss die Vergoldung mit dem Achatpolierstein für den wirkungsvollen Hochglanz behutsam und vorsichtig unter leichtem gleichmässigen Druck poliert werden.

Philipp Wyrsch, Zürich, 1998

Quellennachweis

Hebing
Vergolden und Bronzieren
Callwey Verlag, München
ISBN 3-7667-0976-3

Karl Apel
Neue Oberflächen durch alte Malertechniken
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart
ISBN 3-421-02996-2

Luitpold Schleifer
Techniken des Malers
Band 1
Karl Gröner Verlag, Ulm-Söflingen

Sponsel, Wallenfang, Waldau
Lexikon der Anstrichtechnik
Band 1
Callwey Verlag, München
ISBN 3-7667-0762-0

Max Doerner
Malmaterial und seine Verwendung im Bilde
Enke Verlag, Stuttgart
ISBN 3-432-81046-6

Jeffrey St.John
Edelmetalle
Time-Life Bücher, Amsterdam
ISBN 90-6182-496-6

Hermann Sülberg
Gold
Mondo-Verlag AG, Lausanne
ISBN 2-88168-248-0 -->

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